Das beste Futter für den Nachwuchs

Angenommen: Mutter ist allein. Der Bürojob geht von 8:00 bis 13:00 Uhr. Schnell zum Bäcker und ein Teilchen für auf die Hand, Krümeln ist okay, aber nichts was im Auto zu sehr verschmieren könnte. In der Ablage kämpfen wir ja immer noch mit den Latte-Macchiato-Flecken aus dem dann doch undichten, aber sehr schönen Keramik-Coffee-To-Go-Becher. Anschließend ins Auto, die Kinder von der Schule um 13:20 Uhr abgeholt. Streuselkuchen – Hauptsache etwas mit Zucker. Mit den Kindern zum Job Nr. 2. Der Rubel muss halt rollen.

Um 16:30 Uhr mit den Kindern direkt ab in die Stadt und das eine Kind zum Tanztraining, zum Kreativ-Workshop, zur Nachhilfe oder ähnlichem gebracht, mit dem anderen Kind auf einer harten Bank, in einer schlecht beleuchteten, aber ruhigen Ecke, im Auto, Hausaufgaben gemacht. Dann das eine Kind wieder abgeholt, der Hunger ist groß. Die Kinder im Wachstum. Teambesprechung. Jeder will etwas anderes essen. Durchatmen. Mittlerweile ist es 18:30 Uhr. Man ist seit 11 Stunden unterwegs, schafft aber noch so gerade eben ein wohlwollendes Lächeln. Schließlich haben die Kinder das gleiche Zeitpensum hinter sich. Also ab in die Food-Lounge des Shopping-Centers. An einem verschmierten Tisch sitzen, einer beginnt zu essen, der nächste legt nach und der Dritte muss sich halt etwas beeilen, denn der Erste ist schon fertig und will nur noch nach Hause. Man denkt an die Wäsche in der Maschine, die noch aufgehangen werden will und das Diktat, für das noch nicht geübt wurde.

Im Auto wird einem dann ein ganz wenig übel, grad wenn es durchs geöffnete Fenster weht und der Luftzug die geronnenen Macchiatoreste erwischt und man weiß: billig Fast-Food, Nuggets aus Massentierhaltung, Gen-Food und Back-Ketten-Streuselkuchen, das kann nicht allzu gesund sein. Ist man eigentlich verrückt? 20 € für schlechtes Essen für drei Personen – ach, ganz vergessen, der Karamel-Frappuccino zwischendurch, den man wirklich für die Nerven brauchte. Alle die Jobs, damit die Kinder zu den Kursen können und wir Fast-Food essen, weil wir das Kochen nicht schaffen. Wäre eine Ganztagsbetreuung nicht besser? Aber wie kann das gehen, wenn der andere Job bis 16:30 Uhr geht und man es nicht schafft, pünktlich zum Abholen an der Schule oder der Kita zu sein? Immerhin investiert man den ganzen Stress direkt in die Bildung der Kinder. Und nur weil man viel arbeitet ist dies möglich, denn Zusatzangebote kosten nun einmal. Was ist das beste Futter für den Nachwuchs? Das Gedankenkarussell dreht einen gnädig bis zum nächsten Weckerklingeln in den Schlaf. Morgen früh sieht alles etwas ausgeruhter aus.

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